«Wir sind sehr stolz auf Alina und darauf, was sie schon alles erreicht hat»
Alina Kollegger de Castro und ihre Eltern Arantxa und Adrian sind ein absolutes Dreamteam. Alinas cerebraler Bewegungsbeeinträchtigung begegnet die Familie mit viel positiver Energie und Gelassenheit. Anstehende Herausforderungen meistern sie gemeinsam – Schritt für Schritt.

Die Familie Kollegger de Castro lebt in einem gepflegten Altbau mitten in der Stadt Zürich. Das Haus ist ein echtes Bijoux: Knarrende Holzböden, hohe Decken und Räume, die Geschichten erzählen.
Gleich hinter der schweren Holztüre des Mehrfamilienhauses steht Alinas Rollstuhl in einer Nische. Da es keinen Lift hat, muss sie die Treppen bis zur Wohnung der Familie im zweiten Stock jeweils zu Fuss bewältigen.
Zum Glück kann Alina mit Unterstützung selber laufen. Die Treppe verfügt zudem über einen breiten hölzernen Handlauf, der ihr ebenfalls hilft. Ihr Papa Adrian lächelt: «Für Alina ist die Treppe eigentlich eine ganz gute Übung und ich bin froh, dass sie diese Herausforderung so gut meistert.» Alina strahlt zustimmend. Überhaupt ist die bald 18-jährige junge Frau eine echte Frohnatur. Ihr freundliches Lachen wirkt ansteckend und ihre unkomplizierte Art, mit der sie den täglichen Herausforderungen begegnet, ist absolut bewundernswert. Obwohl sie durch ihre Beeinträchtigung auf vieles verzichten muss, lässt sie sich doch nicht unterkriegen. Sie konzentriert sich lieber auf die Dinge, die sie selber machen kann. Dies im Wissen, dass sie immer auf die liebevolle und geduldige Unterstützung ihrer Eltern zählen kann. So gelingt es Alina immer wieder, über sich selbst hinauszuwachsen und die Welt in kleinen, aber steten Schritten für sich zu entdecken.
Untersuchungen brachten Gewissheit
Alina kam nach einer problemlos verlaufenen Schwangerschaft in einem Spital in Barcelona zur Welt. Adrian und Arantxa lebten damals noch in Spanien, der Heimat von Arantxa. Schnell wurde klar, dass mit dem frischgeborenen Baby etwas nicht in Ordnung war – erste Untersuchungen wiesen auf eine Beeinträchtigung hin. Adrian erzählt ruhig, seine Stimme klingt leise: «Uns wurde dann ziemlich bald eröffnet, dass unsere kleine Tochter von einer cerebralen Bewegungsbeeinträchtigung betroffen sei. Wir fielen aus allen Wolken und mussten uns zuerst mit dieser Tatsache zurechtfinden.»
Mit welchen Einschränkungen Alina später würde leben müssen, konnte den frischgebackenen Eltern niemand sagen. «Das hätte uns aber auch kaum etwas geholfen», meint Arantxa, «für uns war sowieso von Anfang an klar, dass wir unsere Tochter mit aller Kraft unterstützen – egal, wie ihre Beeinträchtigung genau aussehen würde.»
Als Alina 18 Monate alt war, zog die Familie zurück in Adrians Schweizer Heimat und nach Zürich. Während er sich um den Lebensunterhalt der Familie kümmerte, verschrieb sich Mama Arantxa ganz der Pflege der kleinen Alina.
Alina erhielt bereits in Spanien erste Therapien, diese wurden in der Schweiz weitergeführt und ausgebaut. Die Eltern erhielten zudem genaue Anweisungen, wie sie ihre Tochter zu Hause zusätzlich fördern konnten, und das taten sie dann auch mit grosser Hingabe. Dies aber immer sehr spielerisch und kindgerecht – schliesslich sollte Alina Freude an der Bewegung erhalten und ihre Therapie nicht als Belastung empfinden.
Bis heute steht in Alinas Zimmer ein selbst gebautes Therapiegerät aus Holz, mit dem sie das Laufen üben kann. Arantxa schmunzelt: «Diese Konstruktion habe ich selber für sie zusammengebastelt. Zum Glück bin ich handwerklich einigermassen geschickt – bis jetzt ist sie jedenfalls noch nicht zusammengestürzt.» Alina und auch Papa Adrian lachen herzhaft.
Laufen und sprechen gelernt
Alinas Entwicklung war zwar verzögert, doch sie lernte allen Befürchtungen zum Trotz nicht nur krabbeln, sondern später auch mit Hilfe laufen. Weil sie lange nicht sprechen konnte, lernten ihre Eltern mit ihr die Gebärdensprache. Doch auch diese Hürde meisterte Alina später von alleine: Heute kann sie gut sprechen und weil ihre Eltern mit ihr nicht nur schweizerdeutsch, sondern auch spanisch kommunizieren, spricht sie auch diese Sprache.
In jeglicher Hinsicht eine Kämpfernatur
Als Alina vier Jahre alt war, erhielt sie ihren ersten Rollstuhl. Diesen braucht sie bis heute für weitere Distanzen – zu Fuss gehen ist für sie sehr anstrengend und entsprechend kann sie nicht allzuweit laufen.
Alina war schon immer ein sehr pflegeleichtes und fröhliches Kind und ist zudem eine echte Kämpfernatur. Adrian schaut seine Tochter liebevoll an: «Sie hat uns schon so oft mit ihrem eisernen Willen überrascht und manchmal staune ich, woher sie ihre riesige Motivation nimmt. Wir sind sehr stolz auf sie und darauf, was sie schon alles erreicht hat.»
Die Eltern setzen alles daran, dass ihre Tochter ein möglichst selbstständiges Leben führen kann und nicht dauernd auf fremde Hilfe angewiesen ist. Gerade bei der persönlichen Mobilität stösst Alina aber immer wieder an Grenzen. Und dies, obwohl die Familie nur einen Steinwurf vom Zürcher Hauptbahnhof entfernt lebt und man eigentlich annehmen müsste, dass dort in Sachen Barrierefreiheit kaum Wünsche offen bleiben.
Arantxa: «Das grosse Problem ist, dass Alina langsamer unterwegs ist als andere Menschen und für vieles ein bisschen mehr Zeit braucht.» Gerade im öffentlichen Verkehr sei es für die junge Frau oft schwierig, sich ohne Hilfe zurechtzufinden und beispielsweise rechtzeitig ein- und an der richtigen Haltestelle wieder auszusteigen. «Wir üben das mit ihr und sind auch oft zusammen mit Tram, Bus und Zug unterwegs. Bis sie selbstständig mobil sein kann, ist es aber noch ein weiter Weg.»
Bald erhält Alina einen neuen Elektrorollstuhl. Dieser wird für sie einfacher zu bedienen sein und ihr damit zusätzliche Bewegungsfreiheit ermöglichen. «Darauf freut sich Alina jetzt schon», so Adrian, «der neue Rollstuhl wird aber auch um einiges schwerer sein als ihr bisheriger und deshalb werden wir uns bald auch nach einem geeigneten Auto umschauen müssen, in dem Alina samt dem neuen Rollstuhl gut Platz findet.» So ist das leider oft mit einer Beeinträchtigung: Die Betroffenen müssen in ihrem Alltag immer wieder mit kaum vermeidbaren Mehrkosten rechnen.
Die Suche nach einer geeigneten Lehrstelle
Aktuell besucht Alina die Sonderschule Viventa15plus. Dabei handelt es sich um ein Angebot der Stadt Zürich, um junge Menschen mit Beeinträchtigung optimal auf ein späteres Berufsleben vorzubereiten. Gerade darf Alina in verschiedenen Berufen schnuppern und schauen, was ihr am besten gefallen würde.
Aufgrund ihrer Beeinträchtigung käme für sie am besten eine Büro-Tätigkeit in Frage. Alina ist zwar darauf angewiesen, dass ihr späterer Lehrbetrieb ihrer Einschränkung Rechnung trägt, möchte aber keinesfalls in Watte gepackt werden. Sie will lernen und gefordert werden – eine rein repetitive Arbeit wäre für das gescheite junge Mädchen nicht geeignet. «Wir schauen nach vorne und hoffen, dass Alina einen Beruf ausüben kann, der ihr gefällt und der sie erfüllt», so Arantxa. Ihr Mann Adrian nickt bekräftigend.
Sport und Spass für die ganze Familie
In ihrer Freizeit ist Alina sehr gerne sportlich aktiv. Sie klettert regelmässig in der Kletterhalle Griffig in Uster, tanzt bei einer inklusiven Tanzgruppe und saust im Winter gemeinsam mit ihren Eltern mit dem Dualski in Bellwald (VS) über die Skipiste.
Das Dualskifahren hat die Familie vor einigen Jahren für sich entdeckt und war sofort begeistert von dieser Möglichkeit für gemeinsame Skiferien. Dank der Unterstützung der Stiftung Cerebral konnte Adrian einen Kurs absolvieren und lernen, den Dualski mit Alina selber zu pilotieren. Seither verbringt die Familie regelmässig Skiferien im Walliser Ferienort. «Wir finden es wunderbar, dass wir dank diesem Angebot zusammen als Familie Skifahren können. Diese Ferien sind jeweils wie kleine Erholungsinseln und wir sind der Stiftung Cerebral sehr dankbar, dass sie uns und den anderen Betroffenen diese Möglichkeit bietet.»
Hilfe für die Familie Kollegger de Castro
Die Familie Kollegger de Castro ist schon seit einigen Jahren bei unserer Stiftung angemeldet. Wir haben sie nicht nur mit Beiträgen für den Dualskikurs unterstützt, damit Adrian mit Alina selber skifahren kann, sondern helfen auch bei der Finanzierung der Dualski-Miete für die Skiferien.
Die Familie konnte auch schon mehrfach an von uns organisierten Events teilnehmen. So zum Beispiel am Dualski-Abschlussrennen in Bellwald (VS) und an unseren alljährlich stattfindenden Cerebral-Exklusivkonzerten im Berner Bierhübeli. Auch am snowdream Day Madrisa, den wir jeweils gemeinsam mit unserer Partnerin Cosanum, den Bergbahnen Klosters-Madrisa AG und der Stiftung Madrisa mit Herz veranstalten, war die Familie dieses Jahr mit dabei. Für sie war dieser Tag im Schnee ein ganz besonderes Erlebnis – nur schon, weil sie sich für einmal um nichts kümmern mussten, sondern einfach nur den Schnee und die gemeinsame Zeit geniessen zu durften.