«Das fühlt sich jeweils an, als wäre mitten im Jahr Weihnachten»

|   Aktuelles

Seit vielen Jahren stellen wir Institutionen, in denen Menschen mit cerebralen Bewegungsbeeinträchtigungen leben, Gutscheine für ermässigte Fahrten mit Fahrdiensten zur Verfügung. So auch der Stiftung Vivendra in Dielsdorf (ZH). Markus Grosskreuz, Bereichsleiter Wohnen und Tagesstätten, erklärt, wie wichtig diese Gutscheine für die Betroffenen sind.

An wen richten sich die Angebote der Stiftung Vivendra?
Wir bieten zahlreiche Leistungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Neben einem Kindergarten und einer heilpädagogischen Sonderschule mit Internatsbetrieb verfügt die Vivendra auch über angepasste Wohn- und Arbeitsplätze für Erwachsene. Insgesamt leben an unseren drei Standorten in Dielsdorf, Niederhasli und Bachs im Zürcher Unterland 104 Erwachsene, viele von ihnen sind von schwersten cerebralen Bewegungsbeeinträchtigungen betroffen.  

Wie ist die Stiftung Vivendra mobil?
Wir verfügen über eine recht umfangreiche Flotte an verschiedenen Fahrzeugen, mit denen wir die tägliche Mobilität unserer Bewohnerinnen und Bewohner sicherstellen. Bei den Fahrten handelt es sich vornehmlich um interne Fahrten, zum Beispiel von Standort zu Standort. Zudem werden alle Schulkinder, die bei uns die heilpädagogische Schule besuchen, täglich von zu Hause abgeholt und nach dem Unterricht auch wieder nach Hause gefahren. Wohnt jemand bei uns und arbeitet extern, werden auch diese Fahrten abgedeckt. 

Wie sieht das bei privaten Fahrten aus, die nichts mit der Arbeit, der Therapie oder dem Schulweg zu tun haben?
Mobilität ist für uns alle ein sehr wichtiges Gut. Die Menschen, die bei uns wohnen, sollen selbstständig unterwegs sein und ihre Freizeit geniessen können. Entsprechend sind wir darum bemüht, auch private Fahrten anzubieten. 
Das ist aber leider oft nicht möglich – nur schon wegen der grossen Anzahl an Bewohnerinnen und Bewohnern, die in der Vivendra leben. Obwohl wir über insgesamt 19 Fahrzeuge verfügen, sind diese doch täglich durch den internen Gebrauch gebunden und können, wenn überhaupt, nur zu Randzeiten für Freizeitfahrten genutzt werden. Das ist sehr schade – denn solche Fahrten sind für unsere Bewohnerinnen und Bewohner sehr wichtig, damit sie beispielsweise Kontakte pflegen oder am Wochenende nach Hause zu ihren Eltern fahren können. Für viele von ihnen ist es aufgrund ihrer Beeinträchtigung leider nicht möglich, die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, weil sich ihnen dort oftmals unüberwindbare Hindernisse in den Weg stellen. Bahnreisen gestalten sich als aufwendig und müssen im Voraus akribisch geplant werden. 
Natürlich könnten für private Fahrten Fahrdienste genutzt werden – diese sind jedoch ziemlich teuer und deshalb für Menschen mit Beeinträchtigungen, die meistens über ein sehr beschränktes Budget verfügen, kaum erschwinglich.

Welche Rolle spielen die Mobilitätsgutscheine der Stiftung Cerebral?
Diese Gutscheine spielen eine sehr wertvolle Rolle, weil sie Freizeitfahrten ermöglichen, die von uns nicht abgedeckt werden könnten. Sie entlasten das Budget der Betroffenen und verhelfen ganz unkompliziert zu mehr persönlicher Mobilität. 
Für uns ist es ein riesiges Geschenk, dass wir regelmässig Mobilitätsgutscheine von der Stiftung Cerebral erhalten, um diese an unsere Bewohnerinnen und Bewohner weiterzugeben. Für mich persönlich fühlt sich das jeweils an, als wäre mitten im Jahr Weihnachten und es sind immer sehr schöne Momente, wenn wir die Gutscheinhefte verteilen. Sind die Gutscheine aufgebraucht, wird auch bald wieder danach gefragt und meistens warten alle schon sehnlich darauf, dass wieder neue Gutscheine geliefert werden.

Wie sind die Rückmeldungen der Bewohnerinnen und Bewohner?
Das Bedürfnis nach individueller Mobilität ist sehr gross und entsprechend riesig ist die Dankbarkeit für die Gutscheine. Für die Betroffenen bedeuten die Gutscheine nicht nur mehr Bewegungsfreiheit, sondern in erster Linie auch die Möglichkeit, aus dem Alltag auszubrechen und unvergessliche Erinnerungen zu schaffen. Ich finde es schön, dass die Stiftung Cerebral diesem wichtigen Bedürfnis Rechnung trägt. Sie hat unsere Stiftung auch schon in anderen Bereichen der Mobilität unterstützt und uns beispielsweise dabei geholfen, bedarfsgerechte Fahrzeuge anzuschaffen.

Mobilitätsgutscheine für Institutionen
Wir verteilen regelmässig Mobilitätsgutscheine an Institutionen, in denen Menschen mit cerebralen Bewegungsbeeinträchtigungen leben. Diese Gutscheine sind jeweils höchst willkommen und werden rege genutzt: Im Jahr 2025 wurden schweizweit Gutscheine im Wert von rund CHF 40 200.– eingelöst.

Zurück