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Fundaziun svizra per uffants cun paralisa cerebrala

«Beide Seiten könnensehr voneinander profitieren»

Seit vielen Jahren vermitteln wir gemeinsam mit dem Berufs- und Weiterbildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe (BZGS) St.Gallen angehende Pflegefachpersonen HF für Praktika an Familien mit einem cerebral bewegungsbehinderten Kind. Im Gespräch erklärt Gaby Pavone vom BZGS, warum diese Praktika für die Studierenden so wichtig sind.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen dem BZGS und der Stiftung Cerebral?
Wenn Kinder mit einer Beeinträchtigung krank sind und ins Spital müssen, brauchen sie eine andere Pflege als nicht behinderte Kinder. Es ist sehr wichtig, dass die Pflegenden die Bedürfnisse ihrer kleinen Patienten kennen und wissen, wie sie mit der jeweiligen Beeinträchtigung umgehen müssen.
Vor rund 20 Jahren widmeten sich Rosmarie Bolt und Ruth Bärlocher, damals beide Berufsschullehrerinnen an der Schule des Ostschweizer Kinderspitals, erstmals dieser Thematik. Ihnen war es ein grosses Anliegen, dass angehende Pflegefachpersonen schon in der Ausbildung den Umgang mit behinderten Kindern erlernen.
Bei der Stiftung Cerebral stiess dieses Anliegen auf offene Ohren. Gemeinsam wurden geeignete Familien gesucht, und schon bald durften die ersten Pflegefachpersonen in Ausbildung ihre Praktika bei Familien mit einem cerebral bewegungsbehinderten Kind absolvieren.
Seit vor rund 10 Jahren die Schule des Ostschweizer Kinderspitals geschlossen wurde, bietet das BZGS die Ausbildung zum Pflegefachfrau bezw. -mann HF an, und dabei wurden auch die Praktika bei den Familien übernommen. Ruth Bärlocher kümmerte sich 19 Jahre lang bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2017 mit ganz viel Herzblut gemeinsam mit der Stiftung Cerebral um die Organisation sowie um die Vermittlung der Theorie vor den Praktika. Vor vier Jahren habe ich diese Aufgabe übernommen und führe sie seit der Pensionierung von Ruth Bärlocher alleine weiter. Auch mir macht die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Stiftung Cerebral sehr viel Freude. Ohne ihre Hilfe wäre es uns kaum möglich, solche Praktika anzubieten, denn wir hätten gar keinen Zugang zu betroffenen Familien.

Wie läuft ein Praktikum einer angehenden Pflegefachperson HF bei einer Familie mit einem behinderten Kind genau ab?
Jeweils im November absolvieren die Studierenden, die im zweiten Ausbildungsjahr zur Pflegefachperson HF mit Schwerpunkt Kind, Jugendliche, Frau, Familie (KJFF) sind, einen theoretischen Blockkurs an unserer Schule. In diesem Kurs setzen sie sich intensiv mit dem Thema Beeinträchtigung auseinander. Anschliessend lernen sie dann «Ihre» Familie kennen und besprechen direkt mit ihr das Praktikum.
Das Praktikum bei der Familie zu Hause dauert zwei Wochen, In diesen zwei Wochen arbeiten die Studierenden an
insgesamt 10 Tagen.

Was genau sind die Aufgaben der angehenden Pflegefachperson HF bei der Familie?
Die Studierende kümmert sich um die Pflege und Betreuung des beeinträchtigten Kindes und entlastet damit die Eltern. Sie übernimmt dabei möglichst viele verschiedene Aufgaben im Alltag. Dazu gehören auch Besuche bei Therapien, Begleitung zu Arztbesuchen etc. Ganz wichtig ist es dabei, dass die Eltern auch bereit sind, die Betreuung ihres Kindes in fremde Hände zu geben. Auch sie müssen zuerst lernen, loszulassen. Bei einem Kind mit einer Beeinträchtigung ist das nämlich noch viel schwerer als bei einem gesunden Kind.

Warum sind denn solche Praktika derart wichtig?
Die Praktika bedeuten eigentlich eine klassische Win-Win Situation: Die Studierende kann wertvolle Erfahrungen sammeln, während die Eltern entlastet werden. Dabei können beide Seiten sehr voneinander profitieren. Denn es findet ja auch ein Austausch von Fachwissen statt: Die Familien verfügen über sehr viel praktische Erfahrung, während die angehende Pflegefachperson HF detailliertes pflegerisches und medizinisches Wissen mitbringt.
Das Ziel der Ausbildung ist es ganz klar, eine professionelle und einfühlsame Pflege und Betreuung von Kindern mit Beeinträchtigung im Spital zu gewährleisten.
Die Studierenden müssen dabei alle Aspekte der jeweiligen Beeinträchtigung berücksichtigen und dafür sorgen, dass das Kind auch während seinem Spitalaufenthalt optimal gefördert und unterstützt wird. Dank dem Praktikum wissen sie auch, dass die Eltern bei der Genesung des Kindes eine sehr wichtige Rolle spielen und können sich in ihre schwierige Lage einfühlen. Das schafft Vertrauen.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie jeweils von den angehenden Pflegefachpersonen HF? Welche von den Familien?
Die Rückmeldungen der Studierenden sind jeweils sehr positiv. Sie nehmen die Praktika als sehr bereichernde Erfahrung wahr, auch wenn sie dabei viele anstrengende, herausfordernde Momente erleben.
Die Rückmeldungen der Familien an die Stiftung Cerebral zeigen, dass auch sie die Praktika sehr schätzen. Sie geniessen die Entlastung und den Austausch mit den Studierenden. Zudem erhalten sie die Gewissheit, dass ihr kleiner Schützling auch bei einer Akuterkrankung im Spital bestens aufgehoben ist. Die Stiftung Cerebral meldet uns jeweils, dass viele Familien gern bereit sind, nochmals eine Praktikantin aufzunehmen.

Die Praktika bedeuten wirklich für alle Beteiligten einen grossen Gewinn und ich freue mich, dass wir die Ausbildung der Studierenden und die Entlastung von Familien mit einem beeinträchtigten Kind auf eine so gewinnbringende Art und Weise miteinander verbinden können.


Wertvolle Entlastung
In den vergangenen 20 Jahren konnten rund 450 angehende Pflegefachpersonen HF vermittelt werden. Für die betroffenen Familien bedeutet dies eine enormale Entlastung.
Bei den Praktika übernehmen wir jeweils nicht nur die Vermittlung der Familien, sondern auch einen Teil der Kosten. So bezahlen wir die Reisespesen, während die Familie um Kost und Logis bemüht ist. Sollte keine Übernachtungsmöglichkeit vorhanden sein, übernehmen wir auch diese Kosten.