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Schweizerische Stiftung für das cerebral gelähmte Kind

«Wir freuen uns über jeden noch so kleinen Fortschritt»

Hanna Rüger erlitt während der Geburt eine Hirnblutung und ist seither cerebral bewegungsbehindert. Das Mädchen ist sehr aufgeweckt und fröhlich und macht seinen Eltern sehr viel Freude. Die Familie konnte sich schon mehrfach auf die Hilfe unserer Stiftung verlassen. Deshalb war es für sie auch selbtverständlich, dass sie sich für die neue «Mitenand»-Sendung des Schweizer Fernsehens zur Verfügung stellen würde.

Die Familie Rüger lebt in einem ruhigen Mehrfamilienhausquartier am Rande der Stadt St. Gallen. Die Häuser stehen weit auseinander, rundherum wachsen Bäume und Sträucher und spenden höchst willkommenen Schatten an diesem heissen Spätsommertag.

Hanna lacht übers ganze Gesicht. Vorsichtig bettet Ronny Rüger seine Tochter auf einen Liegestuhl und hilft ihr dabei, sich neue Kleider anzuziehen und die Haare zu trocknen.
Hanna blinzelt zufrieden ins helle Sonnenlicht. Gerade hat sie sich im Planschbecken auf der grossen Terrasse abgekühlt. Das Quietscheentchen schaukelt lustig auf den Wellen, während die Sonnenstrahlen glitzernde Muster auf die Wasseroberfläche zaubern.
Hanna Rüger ist ein lebensfrohes siebenjähriges Mädchen. Mit seinen grossen Augen mustert es die Welt um sich herum sehr interessiert und ist für jeden Schabernack zu haben. So auch im Planschbecken. Denn eigentlich wollte Hanna nur kurz ihre Füsse abkühlen. Gemeinsam mit Papa Ronny Rüger wurde dann aber schnell eine Wasserschlacht daraus. Nasse Kleider und Haare inklusive.

Ein Frühstart ins Leben
Hanna kam nach einer problemlosen Schwangerschaft 11 Wochen zu früh auf die Welt. Kathleen Rüger erinnert sich: «Hanna war unser absolutes Wunschkind und wir freuten uns sehr auf ihre Geburt. Dass sie dann aber so früh auf die Welt kam, liess und doch leer schlucken, und wir machten uns grosse Sorgen.» Hanna wog bei ihrer Geburt etwas mehr als ein Kilo und war 36 cm gross. Schnell wurde auch klar, dass Hanna während der Geburt mit Komplikationen zu kämpfen hatte. Ein Ultraschall brachte Gewissheit: Hanna erlitt eine Hirnblutung und würde für den Rest ihres Lebens cerebral bewegungsbehindert sein.
Trotz diesen schwierigen Voraussetzungen war Hanna von Anfang an eine echte Kämpfernatur. Ronny Rüger: «Hanna erholte sich überraschend schnell von der Frühgeburt, und nach acht Wochen durften wir sie bereits nach Hause holen!»
Obwohl sich die Eltern sehr darüber freuten, ihre Tochter endlich nach Hause nehmen zu dürfen, war der neue Alltag für die junge Familie sehr anstrengend. Denn die Rügers hatten keine Ahnung, wie sich Hanna entwickeln würde. Kathleen Rüger seufzt: «Der Start in unser Leben als Familie lief ziemlich harzig. Hanna schreite viel und wir konnten sie kaum beruhigen. Hinzu kam die grosse Ungewissheit, wie es mit ihr weitergehen würde. Irgendwie war alles in der Schwebe, wir fühlten uns wie aus dem Leben gefallen.»
Wie befürchtet verlief Hannas Entwicklung viel langsamer als die von anderen Kindern. Sie drehte sich nicht auf den Bauch und später begann sie auch nicht zu robben und ihre Umwelt zu erkunden.
Ihre Eltern fanden ihre Zuversicht aber schnell zurück. Kathleen Rüger: «Wir freuen uns über jeden noch so kleinen Fortschritt, und da gab und gibt es doch sehr viele. Hanna ist ein wundervolles, ganz besonderes Mädchen!»

Pflege rund um die Uhr – Wenig Zeit für Erholung
Heute ist Hanna sieben Jahre alt und ein echter kleiner Wirbelwind. Sie kann kurze Strecken geführt selber laufen, ansonsten sitzt sie im Rollstuhl. Sich selber aufsetzen kann sie nicht, wenn man sie jedoch hinsetzt, dann sitzt sie selbständig. Hanna kann sprechen und selber essen. Für ihren Alltag ist das Mädchen auf umfassende Hilfe angewiesen. Denn sie hat Mühe Bewegungen mit Armen und Händen koordiniert auszuführen. Schon kleine Tätigkeiten wie selber Zähneputzen oder Essen ermüden sie deshalb stark. Für die Eltern bedeutet dies, dass sie sich fast rund um die Uhr um Hanna kümmern müssen und sie kaum je alleine lassen können. Das ist sehr ermüdend und bringt die Eltern, die beide Berufstätig sind, auch schon mal an ihre eigenen Grenzen. Hinzu kommt noch ein anderes Problem: Je älter Hanna wird, desto schwerer wird sie auch. Für die Eltern steigt somit die Belastung, denn sie können Hanna nicht mehr so mühelos herumtragen. Daher ist es ihnen sehr wichtig, mit ihrer Tochter regelmässig Laufen zu üben. «Unser Ziel ist es, dass Hanna mit Hilfe selber laufen kann und wir sie nicht mehr so oft tragen müssen», erklärt Ronny Rüger zuversichtlich.

Hanna besucht die zweite Klasse der CP-Schule Birnbäumen in St. Gallen. Hier fühlt sie sich sehr wohl. Sie wird jeweils zu Hause abgeholt und auch wieder heimgefahren. Das entlastet die Eltern sehr. In der CP-Schule erhält Hanna verschiedene Therapien. Neben einer Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie darf Hanna auch regelmässig schwimmen gehen. Für die kleine Wasserratte ein riesiges Vergnügen. Zu Hannas Therapieprogramm gehört auch eine Hippotherapie. Hannas Augen strahlen, als sie von «ihrem» Islandpferd erzählt.

Etwas zurückgeben – Mitenand
Vor Kurzem erlebte die Familie Rüger einen ganz besonderen Tag. Sie hatte sich für den Dreh einer «Mitenand»-Sendung im Schweizer Fernsehen zur Verfügung gestellt. «Wir wurden von der Stiftung Cerebral angefragt, ob wir mitmachen würden» erklärt Ronny Rüger, «und da uns die Stiftung Cerebral schon so oft unterstützt hat, freuten wir uns, einmal etwas zurückgeben zu dürfen.» Gedreht wurde in Romanshorn bei der Mietstation der Stiftung Cerebral und zu Hause bei den Rügers. «Ziel der Sendung ist es, der Bevölkerung anhand der Velovermietung der Stiftung Cerebral zu zeigen, wie einfach und unkompliziert den Familien geholfen wird», so Kathleen Rüger. Für die Rügers, die dank der Unterstützung unserer Stiftung selbst ein Spezialvelo besitzen,  war der Dreh daher ein echtes Heimspiel. Unermüdlich drehten sie für die Kamera ihre Runden mit dem Velo obwohl es – wie Mama Kathleen Rüger lachend bemerkt – wie aus Kübeln regnete.
Von diesem Regen ist heute auf der sonnigen Terrasse der Rügers nichts mehr zu bemerken. Hanna ist es langweilig geworden im Liegestuhl, und deshalb inspiziert sie nun die beiden unterfahrbaren Hochbeete, die ihre Eltern extra für sie gekauft haben. In den liebevoll gepflegten Beeten gedeihen Cherrytomaten und Zucchetti. Sachte greift Hanna nach einer Zucchetti und freut sich sehr, dass diese schon reif ist und sie sie daher mit in die Küche nehmen kann. Damit Hanna Gemüse schnippeln kann, haben ihr die Eltern ein spezielles Schneidebrett und ein Messer gekauft. Das Messer ist so konzipiert, dass es Hanna gut in der Hand liegt und das Gemüse kann auf dem  Schneidebrett fixiert werden. Hingebungsvoll sägt Hanna an ihrer Zucchetti herum, während Mama Kathleen ihr zuschaut. «Zum Abendessen gibt es heute wohl Gemüsepfanne mit sehr viel Zucchetti!» sagt sie und zwinkert ihrer Tochter lächelnd zu.


Hilfe für die Familie Rüger
Die Familie Rüger ist schon seit rund fünf Jahren bei unserer Stiftung angemeldet und durfte in dieser Zeit schon mehrfach von unseren Hilfsleistungen profitieren. So bezieht die Familie regelmässig Pflegeartikel für Hanna in unserem Pflegeartikelshop. Zudem haben wir die Rügers auch schon bei der Finanzierung eines Therapieaufenthaltes von Hanna unterstützt.
Als sich die Rügers ein spezielles Fahhrad kaufen wollten, auf dem auch Hanna vorne mitfahren und in die Pedale treten kann, halfen wir bei der Finanzierung. Ebenso als das alte Auto zu klein wurde für Hannas Rollstuhl, und die Familie  daher ein Neues anschaffen musste. Diesen Winter möchten die Rügers erstmals unser Dualski-Angebot in Bellwald nutzen. Sie freuen sich schon sehr darauf, dass Hanna zum ersten Mal in ihrem Leben Skifahren darf.